Till Exit: strahlung



Titel:
"strahlung"
Till Exit

Ort:
loop - raum für aktuelle kunst,
Schlegelstraße 26/27 (Aufgang 2, 1.St.)
10115 Berlin-Mitte

Eröffnung:
Freitag 5. 11.1999, 20Uhr

Ausstellungsdauer: 06.11. -11.12.1999

Öffnungszeiten:
Mi. bis Sa. 14 - 18 Uhr

Künstlerische Leitung: Rüdiger Lange
Information: Tel. (030) 28390028

Mit der Präsentation 'strahlung' des Künstlers Till Exit beendet der loop - raum für aktuelle kunst seinen Ausstellungszyklus für das Jahr 1999.

'strahlung' verwandelt den Galerieraum in ein abgedunkeltes Kabinett, in welchem Filmfragmente und Lichtprojektionen in eigens installierten Spiegeln bzw. Plexiglasobjekten gebrochen und damit sichtbar werden. Die Filmfragmente und die skulptural-architektonische Raumsituation sind klar erkennbar und auf minimalistische Strukturen reduziert. Damit wird ein theatralisch-dramatischer Effekt bewußt vermieden.

Durch den Einsatz tonloser Videofilme reduziert Exit die Wahrnehmung auf die visuell-sinnliche Erfahrung des Raumes. Das Eintauchen in das dunkle Kabinett läßt wenig akustische und haptische Orientierung zu. Schließlich wird auch das Zeit-Raum-Gefühl durch die 'Aussperrung' des Tageslichtes neu definiert.

Mit dieser annähernden Ausschaltung der äußeren Reizquellen ermöglicht Exit den Schritt in das individuelle Unbewußte, in die (eigene) Traumwelt.  Eigene, innere Bilder -letztlich der eigene Körper -setzen sich in Beziehung zu den Videokörpern. Die Bildfragmente widerspiegeln somit scheinbar 'Vertrautes'. Vertrautes jedoch, das nur die Projektion, Spiegelung und Verfremdung des Ursprungs ist -gebrochen und verzerrt. Die in 'strahlung' vorgeführte Wiederkehr des -universell- Vertrauten in Form von Bildfragmenten und Körpern ist somit immer auch mit einem Gefühl der 'Unheimlichkeit', der Angst aufgeladen, da der Betrachter mittels der Projektionen auf sich selbst zurückgeworfen wird und sich mit (verdrängten?) Bildern, Situationen, Handlungen konfrontiert - "Berührungsängste gegenüber dem eigenen Ich" (Till Exit).

Damit weist der Titel der Ausstellung 'strahlung' neben der rein formal-materialbezogenen Referenz der Lichtprojektionen auf eine inhaltliche Ebene hin. Es ist die individuelle, psycho-physische Körperstrahlung, für die der Galerieraum zum Resonanzkörper wird und für die jeder Betrachter Sender und Empfänger zugleich ist. Die Installation ist somit nicht nur eine Verkörperlichung innerer Befindlichkei', sondern auch eine Auseinandersetzung damit.
'strahlung' kann in diesem Sinne auch als eine Art 'Durchleuchtung' angesehen werden.           

--Holle Rauser