Matthias Stuchtey: Tablett




Titel:
Tablett
Matthias Stuchtey

Ort:
loop - raum für aktuelle kunst
Schlegelstraße 26/27 (Aufgang 2, 1.St.)
10115 Berlin-Mitte

Eröffnung: Freitag, 23. April 1999     20Uhr

Ausstellungsdauer: 24. 04. - 22. 05. 1999

Öffnungszeiten: Mi. bis Sa. 14 - 18 Uhr

Künstlerische Leitung: Rüdiger Lange

Mit der Ausstellung "Tablett" des Bildhauers Matthias Stuchtey wird der loop - Ausstellungsraum einmal mehr zum Spannungsfeld zwischen Werkpräsentation und Integration räumlicher Verhältnisse.

Im vorderen Drittel des Raumes wird parallel zur Fensterseite ein gitterförmiges Raumelement gesetztt. Es teilt den Raum wie eine transparente Wand und definiert ihn auf eindringliche und doch fragil scheinende Weise. Durch das Gitter hinweg ragen Stangen aus rohem Aluminium, die zur Fensterseite hin runde, metallene Tabletts tragen, welche sich wie „Radarschirme" dem Licht zuwenden. Am anderen Ende der Metallrohre führen Kunststoffseile über den Boden hinweg zur gegenüberliegenden Wand.

In der Zusammenstellung sowohl der vielfältigen Formen und Ausrichtungen -Vertikalität, Horizontalität, Fläche und Plastizität - als auch der in sich authentischen Materialien -Rohholz, unbehandeltes Aluminium, Metall, Kunststoff - zeigt sich ein System von Ordnungsschichten.
Die verschiedenen Höhen, Ebenen, Analogien und Verbindungen nähern sich der spezifischen Ortsthematik und bearbeiten sie. Mit der Raumarbeit "Tablett", deren Titel auf ihre Funktionen als "Träger", "Dimension", "Fläche" verweist, konstruiert Stuchtey somit ein materiell-ästhetisches Regel- und Kommunikationssystem.

Wie eine Experimentanordnung zum Empfang und der Weiterleitung von Licht, Energie, Strahlen, Wellen wirkt die Arbeit auf den ersten Blick. Das vom Hinterhof einfallende Licht reflektiert auf den Metall- Empfängern und wirft Schattenmuster durch das Holzraster auf Wand und Boden.

Die Kunststoffschnüre tasten sich in die weiteren Raumflächen, ohne die Gesamtstruktur zu verlassen - an der vorderen Raumwand bilden sie mit aufgerollten Endstücken das kreisförmige Äquivalent zu den Empfängern. Der gesamte Raum wird auf diese Weise in die künstlerische Arbeit miteinbezogen, in der Identität und Unterschiedlichkeit von Stoffen und Formen die Struktur konstituieren und vermitteln.

Die hohe künstlerische Intensität der Installation "Tablett" liegt in ihrer klaren, formalen und strukturellen Materialverkettung, die stabil, aber flexibel auf Raum- und Lichtverhältnisse reagiert.

--Holle Rauser