Ausflug (Exkursion)

 
 

Eröffnung: Samstag 17.08.2002 ab 20 Uhr

Ausstellungdauer: 17. August bis 14. September

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 14 Uhr bis 18 Uhr


Unter dem Titel „Ausflug (Exkursion)“ lädt loop – raum für aktuelle kunst zu seiner Sommerausstellung in den neuen Räumen in Berlin-Kreuzberg ein.
Die zweite Präsentation der Galerie in der heeresbäckerei vermittelt mit den Arbeiten von Maja Rohwetter, Rudolf Stehr, Bara, Knut Eckstein und Nikolas Theilgaard gleichermaßen die Leichtigkeit eines Sommerausflugs, der Aufgeschlossenheit, Neugier und Lust am Entdecken voraussetzt wie auch die Nachhaltigkeit der Exkursion, des Erforschens, des Reflektierens und Einordnens.
Der „Ausflug/Die Exkursion“ führt den Betrachter zunächst in die Vorstadt oder lässt ihn durch eine Kleinstadt schlendern: Die Malerei von Maja Rohwetter zeigen verschiedene Situationen im suburbanen und kleinstädtischen Bereich, die die Künstlerin zunächst fotografiert hat. Anschließend schafft sie am Computer fiktionale Vorstadtmotive, die sie in Malerei umsetzt. Durch Auswahl und Ausschluss der für solche Raumsituationen typischer Bildelemente entsteht ein Motiv, das Charakter und Architektur der Vorstadt oder Kleinstädte in konzentrierter Form wiederspiegelt. Auf dieses Weise setzt sich die Künstlerin mit dem wandelnden Bild der heutigen Kulturlandschaften auseinander.

Weiter führt die Betrachtung in die Landschaftsmalerei von Rudolf Stehr. Landschaften haben als Motiv nie Aktualität und Präsenz verloren. Geändert hat sich lediglich die Sichtweise von Landschaften, die den ständigen Wandlungen im Verhältnis Mensch-Raum-Kultur unterworfen sind. In Stehrs Bildern blitzt die traditionelle Landschaftsmalerei auf. Die Besonderheit an Stehrs Bildern ist das immer wiederkehrende Motiv einer bestimmten Landschaft, die Räume und Raumbezüge, die er durch präzise Farbgebung entstehen lässt. Konzentriert auf das klassische Landschaftsmotiv lässt die Abbildung selbst eine bildimmanente Reflektion über die Malerei als Medium zu.

Eine Exkursion auf die „Insel“ bietet der Künstler Bara mit seiner Installation „Robinson Crusoe“ an. Die Idee zu der Installation entstand im Jahr 2000, zu sehen ist eine neue, modifizierte Version, die dazu einlädt ein, in einer aus Möbeln des Künstlers zusammengesetzten, stilisierten Zimmersituation einem Hörspiel des Künstlers zu lauschen. Zu hören ist eine Unterhaltung zweier Mittelklasse-Männer, die sich über ihre Arbeit, ihre Freizeit und die neuesten Managementstrategien austauschen. Bara bricht die Hörspieldramaturgie durch nicht passende Handlungen und unlogische Sprünge im Dialog auf. Er verunsichert den Hörer, indem er ihn mit der Trivialität des Gesprächs isoliert und gleichzeitig das Bekannte, Vorherseh- und sagbare mit absurden Elementen durchmischt.

Knut Ecksteins sogenannte „bulbs“, Collagen, Verschnürungen verschiedener Kartons, mal gestapelt, gelegt oder gehängt, lassen Assoziationen verschiedenster Art zu. Offenbar bunt und ziellos zusammengewürfelt folgen die Karton-Installationen einer genau festgelegten Architektur und reproduzierbaren Komposition. Zusammengeschnürt an der Decke oder in Raumecken evozieren die Schachtelgebilde Assoziationen von Höhlen, „Baumhäusern“ und Behausungen (als welche sie ja mitunter auch dienen). Die mit verschiedenen Emblemen von internationalen Firmen bedruckten Kartons provozieren eine Auseinandersetzung mit Theoriekomplexen vom Warenfetischismus bis hin zur Wegwerfgesellschaft. Mit den Resten des weltweiten Warenkreislaufes begegnen dem Betrachter an dieser Stelle von „Ausflug/Exkursion“ das Ausmaß und die Auswirkungen der Globalisierung. Eckstein verleugnet diese Vorstellungen nicht. Im Mittelpunkt seines Schaffens steht jedoch das Material, das skulpturale Potential der Schachteln, ihre Farbigkeit und das spielerische Element beim Umgang mit ihnen.

Letzte Station der Exkursion sind die Werke von Nikolas Theilgaard. Seine fotografischen Arbeiten entstehen selbst fast ausschließlich auf Reisen. Sie sind Annäherungen und Begegnungen mit fremden, (noch) unbekannten Orten. Im Mittelpunkt von Theilgaards Arbeiten steht die Lichtqualität, Atmosphäre und Farbigkeit eines Ortes, und der Moment der Aufnahme.  Ohne Verfremdung oder Nachbearbeitung entstehen auf diese Weise konzentrierte Bilder, die der Erinnerung des Künstlers entsprechen. Die Fotografien sind „eine Suche nach dem Erhabenen ohne den Wunsch es zu finden“ (Theilgaard).

Die heeresbäckerei befindet sich in der Köpenicker Strasse am Spreeufer von Kreuzberg. Das denkmalgeschützte Fabrikgebäude aus dem 19. Jahrhundert ist mit seinen großzügigen Lofts ein idealer Ort für Kunst- und Kulturprojekte. Dafür wurde ein Bespielungskonzept erarbeitet, das unter dem Namen "heeresbaeckerei-kultur" einem interdisziplinären Ansatz aus Ausstellungsarbeit, Projektkultur und Musik verfolgt. Neben den kontinuierlichen Präsentationen von loop werden auch Aktivitäten von und Kooperationen sowohl mit anderen Kunst- und Kulturprojekten als auch Institutionen Platz finden.