settings #1

 
 

Variationen, Vorstellungen und Fragmente von Wirklichkeit und Virtualität, Lebens- und Außenräumen thematisiert die Gruppenausstellung “settings#1”, mit der der loop - raum für aktuelle kunst ins Ausstellungsjahr 2003 startet.

“settings#1” wird am Samstag, 25.Januar 2003, um 20 Uhr in den Räumen der loop-Galerie in der heeresbäckerei, Köpenicker Str. 16, Berlin Kreuzberg eröffnet. Mit der Ausstellungsreihe “settings” werden künftig unter der künstlerischen Leitung von Rüdiger Lange verschiedene Positionen aktueller Kunst präsentiert.

Mit Kirstin Arndt, Stella Geppert, Silke Riechert und Christiane ten Hoevel, Dominic Wood, sowie Götz Valien gibt “settings#1” einen vielfältigen Überblick über neue künstlerische Positionen in Berlin.

Kirstin Arndts Arbeiten bewegen sich auf dem Grat zwischen Skulptur und Installation. Die an der Wand angebrachten Collagen aus Gegenständen und Fragmenten von Materialien evozieren sogar den Gedanken an Malerei. Die Objekte aus Alltagsmaterialien besitzen für sich ein enormes skulpturales Potential, gleichzeitig ist auch der Raum Thema der Künstlerin. Die Werke sind raumbestimmend – durch Anordnung, Bezüge und Achsen bearbeiten sie den Gesamteindruck des Raumes. Gerade bei der in “settings#1” gezeigten Arbeit “o.T. (Brett ohne Ecken)” (2000/2001), bei der Holzelemente sowohl an der Wand angebracht sind, als auch (scheinbar beiläufig) an ihr lehnen, wird der Übergang vom Bildhaften zur Räumlichkeit fließend.

(Lebens-) Räume, in denen alltägliches Leben stattfindet sind Ausgangspunkte der künstlerischen Arbeit von Stella Geppert. Wohnungen, Häuser, Straßen, Wege, Wohnsiedlungen, Städte betrachtet sie als bildhauerisches Material, das aufgrund banaler und selbstverständlicher Existenz eine vertraute Beziehung zum Menschen einnimmt. Stella Gepperts Objekt “Modell für Raumbeziehungen” okkupiert die vorgefundene Raumsituation im Sinne eines parasitären Verhältnisses und lässt die variablen Raumelemente zum Bestandteil des Objektes selbst werden.

Den öffentlichen Raum bzw. Architektur reflektiert Silke Riechert. Dabei konzentriert sich die Künstlerin auf architektonische Ensembles der 20er-Jahre. Ausgangspunkt ihrer Arbeit für “settings#1” ist ein Entwurf des Architekten Hans Soeder (1920), auf dessen Grundlage die Künstlerin ein Modell entwickelt hat, das wiederum ihren Zeichnungen zugrunde liegt. In ihren entsprechenden Collagen werden Bezüge zur Malerei geknüpft. Die Abbildungen der auf ihre Essenz konzentrierten Architektur geben einen eindringlichen Einblick in die Utopien der Moderne und ihre reale Umsetzung.

Christiane ten Hoevel thematisiert den Grenzbereich zwischen Kunst, Architektur und Design. Zentral ist dabei der Gedanke des am Funktionalen orientierten Umgangs mit Gegenständen, der auf Wahrnehmung, Reflektion und Erfahrung beruht. Zeichnungen, Malerei und Wandbilder, aber auch angewandte Grafik und Objekte gehören zum Repertoire der Künstlerin, die nach eigenen Angaben “..nach dem Kunstwert im Gebrauchsgegenstand und nach dem Gebrauchswert im Kunstgegenstand sucht”. Die reduzierten und doch ausdrucksstarken Zeichnungen sind Reflektionen über mögliche Sachlagen und Realitäten. Bei “settings#1” zeigt ten Hoevel ein Wandbild, in welches Zeichnungen integriert werden.

“Virtueller Realismus” nennt Götz Valien seine Malerei, die er seit 1985 realisiert. Dabei beruft sich der Künstler auf die Wirklichkeitsvorstellung des Konstruktivismus’, der in der Realität nur eine subjektiv vorgestellte und zusammengesetzte Wirklichkeit sieht. Wirklichkeit ist die Folge unendlich vieler Vernetzungen die Oberflächen erzeugen, die auf ihre Existenz hinweisen, die sie aber nur partiell darstellen. Das Spiel mit reellen und konstruierten Räumen spiegelt sich in seiner Bildreihe “Reichstagsbilder” wieder, die erstmals öffentlich gezeigt werden.

Wie dreidimensionale Malerei betrachtet der Australier Dominic Wood seine fragilen Objekte aus Holz, Metall und anderen Materialien. Querstreben, Gestänge, Schlaufen und Spiralen bilden einen in sich völlig geschlossenen skulpturalen Mikrokosmos, der trotz seiner Größe und der verwendeten Materialien durchlässig und filigran erscheint. Auch hier finden sich Bezüge zur strukturellen Architektur: das Objekt täuscht Maßstäbe vor, die im Detail absurd erscheinen. Die Objekte sind daher keine Modelle, sondern spielen mit den Beziehungen von Skulptur und Architektur.

Die heeresbäckerei befindet sich in der Köpenicker Strasse am Spreeufer von Kreuzberg. Das denkmalgeschützte Fabrikgebäude aus dem 19. Jahrhundert ist mit seinen großzügigen Lofts ein idealer Ort für Kunst- und Kulturprojekte. Dafür wurde eine Bespielung etabliert, die unter dem Namen "heeresbaeckerei-kultur" einen interdisziplinären Ansatz aus Ausstellungsarbeit, Projektkultur und Musik verfolgt. Neben den kontinuierlichen Präsentationen von loop finden auch Aktivitäten von und Kooperationen sowohl mit anderen Kunst- und Kulturprojekten als auch Institutionen statt.