Verbraucher: Axel Lieber

 
 
Unter dem Titel „Verbraucher“ zeigt die Galerie loop-raum für aktuelle kunst in ihrer kommenden Präsentation vom 5. bis 29. März eine umfassende Werkschau des Bildhauers Axel Lieber. Die Eröffnung findet am Samstag, den 1. März um 20 Uhr statt.

Axel Lieber zeigt in dieser Ausstellung wie vielfältig die künstlerische Auseinandersetzung mit Marken- und Konsumkultur sein kann. In einer Alltagswelt, in der die gesellschaftliche Rangordnung über Schriftzüge auf Kleidung und Schuhen und den Einkaufkorb bestimmt wird, ist eine Sezierung von Alltagswaren wie Lieber sie hier vornimmt besonders wertvoll. Ein Verweis auf die Retrokunst der späten 90er ist unausweichlich und doch zeigt sich hier eine Popkultur, die Konsequenzen aus dieser Entwicklung gezogen hat. Liebers Fundstücke des Alltags werden von ihm auf ihr Wesen reduziert und entkommen der Endlosschleife von Ware/Design über Popkultur zur Kunst und wieder zurück, indem sie selbstreflektierend auftreten und einen neuen „Retro-Kosmos“ in einer anderen Dimension erschaffen.

Im privaten wie öffentlichen Lebensfeld kann sich keiner dem Einfluss der Warenwelt entziehen. So betritt der Besucher zunächst den Eingangsbereich der Galerie, der eine Interieursituation wiederspiegelt. Hier hat Axel Lieber IKEA – Plastikstühle im 60er Jahre-Design, die der Möbelhersteller im Retro-Rausch der vergangenen Jahre reproduziert hat,  zerlegt und zu einer schleifenartigen, zyklischen Skulptur zusammengefügt, Auf diese Weise entsteht inhaltlich wie formal eine Recycling-sculpture, die dem Ausgangsmaterial seine Authentizität zurückgibt. Weitere Skulpturen besetzenden Eingangsbereich, z.B. ein Schrank, dem alle Flächen entnommen wurden und welcher dadurch ein Spannungsfeld zwischen seiner offengelegten Disfunktionalität als Aufbewahrungsort und seiner erst jetzt sichtbaren Konstruktion evoziert.

Im langgestreckten Galerieraum ist eine typische Supermarkt-Situation aufgebaut: an der Wand ein Regal, gefüllt mit Schachteln und Kartons. Die Warenverpackungen wurden umgedreht zusammengeklebt – ihrer Kommunikationsfähigkeit beraubt sind sie zu stummen, introvertierten Darstellern der Konsuminszenierung geworden. Korrespondierend zu den monochromen Minimalplastiken ist eine Skulptur in Form einer Antenne an der Decke angebracht: an über 1000 Häkchen kleben Buchstaben, Zahlen und Typografiemuster, ausgeschnitten aus Verpackungen, Werbung, Warenprospekten. Wo im Regal Schweigen herrscht, ist hier visuelles Geplapper – farbig flirrend, ein glitzernder Baum, Empfänger und Sender von Botschaften, die aufgrund ihrer Masse und Konstellation entweder unverständlich bleiben oder neue Bedeutungen erzeugen.

Ein weiterer Installationskomplex heißt „Street Wear“ und erinnert an ein Trainingscamp. Das Ensemble umfasst eine aus Schuhsohlen gefertigte Europalette auf der eine knapp 1,60 m große Kiste steht. Bespannt mit Jeans- und T-Shirt-Stoff imitiert dieses Holzobjekt wie auch ein mit Trainingsanzügen bezogenes Baugerüst eine Person. Die „StreetWear“- Skulpturen leben in dieser Konstellation vor allem von der Spannung zwischen der lebhaften Farbigkeit der Kleidungsstoffe und den „ruhigen“, monochromen und statischen Trägermaterialien. Kleine Bodenskulpturen wie die „Speed Plateaus“ greifen kollektiv assoziierbare Markenfarben auf. Die von Silhouetten von Turnschuhen abgeleiteten Plastiken sind in Gips gedreht und farbig gefasst. Auch im Gesamtkonzept geht die Inszenierung auf: Die Rezeption des knallig-bunten Trainingslagers und seiner Affinität zum jugendkulturellen Marken-Hype und der aufs Formale begrenzten Warenkultur im Regal wird auf diese Weise herausgefordert.

loop-raum für aktuelle Kunst wurde 1997 von Kurator Rüdiger Lange gegründet und befindet sich seit Sommer 2002 in der am Spreeufer von Kreuzberg gelegenen heeresbäckerei.  Das denkmalgeschützte Fabrikgebäude aus dem 19. Jahrhundert ist mit seinen großzügigen Lofts ein idealer Ort für Kunst- und Kulturprojekte. Dafür wurde eine Bespielung etabliert, die unter dem Namen "heeresbaeckerei-kultur" einen interdisziplinären Ansatz aus Ausstellungsarbeit, Projektkultur und Musik verfolgt. Neben den kontinuierlichen Präsentationen von loop finden auch Aktivitäten von und Kooperationen sowohl mit anderen Kunst- und Kulturprojekten als auch Institutionen statt.