Servus: Andreas Koch





Ausstellungseröffnung: Samstag 28. April 2007 um 20 Uhr
Ausstellungsdauer:  2. Mai bis2. Juni 2007
Mittwoch bis Samstag 14 Uhr bis 18 Uhr

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Seewanderung
Der loop – raum für aktuelle kunst zeigt in der kommenden Ausstellung unter dem Titel „Servus“ Arbeiten des Künstlers Andreas Koch. Koch nähert sich in seinen Installationen einem zentralen Thema: dem Raum und dessen Wahrnehmung. Dies geschieht mittels ungewöhnlicher Darstellungen von Innen-wie Außenräumen und deren Schnittstellen. Im hinteren Bereich des Galerieraumes zeigt er einen Film, der eine langsame Bewegung durch eine Berliner Seeland-schaft beschreibt. Koch generiert den Film aus  hochaufgelösten, montierten Fotografien, die er durch Verschiebungen und Vergrößerungen animiert.

Zuerst bewegt sich der Blick in Richtung Horizont auf zwei Hochhäuser zu, um dann, hinter einem Acker, in eine zunächst unsichtbare See- und Badelandschaft
einzutauchen. Koch „baut“ den Bildraum aus Fotomaterial nach, die einzelnen Fragmente fügen sich erst in der Animation zu einem visuellen Rundgang durch einen nun scheinbaren dreidimensionalen Raum. Die Kamera bewegt sich nicht nur auf der Oberfläche eines Bildes, sondern sie dringt scheinbar in den Bildraum ein, die Ebenen verschieben sich durch Sprünge zwischen Zwei- und Drei -dimensionalität und es entsteht ein spannungsvolles, surreales Spiel mit realen Bildfragmenten und der eigenen Wahrnehmung. Die „Seewanderung“ streift schließlich in einer Nah-aufnahme ein Fenster eines der Häuser, die bereits vorher am Horizont auftauchten. Gleichsam als Index des Films dienen die fotografischen Stills, von denen eines halbtransparent in das Eingangs-fenster der Galerie montiert ist, und die räumliche Staffelung im Film vorwegnehmen.

Der Fenster-Blick – das Fenster als Trennung von Innen- und Außenraum, als
Metapher für die „innere“ und „äußere“ Perspektive, steht auch im Mittelpunkt der Hauptarbeit von Andreas Koch. Ein scheinbar banaler Blick aus dem Fenster seiner Wohnung, über eine wild bewucherte Brache hindurch auf die gegenüberliegende Häuserfront und über die Dächer hinweg auf den „Welt“-Ballon der gleichnamigen Zeitung. Das überlebensgroß gezeigte Bild gewinnt durch seine Größe und die unmöglichen, zusammengesetzten Perspektiven in seiner Präsenz und Intensität. Aus dem gewöhnlichen Motiv wird ein exemplarisches Sehstück, das Weite, Tiefe und Nähe in einem Bild vereint. Sowohl die Größe der Fotografien, wie auch der Blickwinkel erlauben dem Betrachter, die vermeintlich vertrauten Bilder in einem neuen, fremden Licht zu betrachten.

Auch bei der Skulptur „Servus“ ist dies der Fall: der „Treteimer “österreichischer Herkunft mit der Aufschrift „Servus“ steht als dreifach vergrößertes Modell in der
Ausstellung und definiert im Gegensatz zu den Fenster-Bildern, die auf „die“ Welt draußen verweisen, den Innenraum, als skurrile Plastik. So aufgeblasen wird der Mülleimer zum nicht benutzbaren Möbel und könnte dennoch ein Architekturmodell für den Firmensitz eines Unternehmens namens „Servus“ darstellen. Vielleicht ist die 50er-Jahre-Retroskulptur eines Mülleimers aber auch als verstecktes Statement zu den derzeitigen Tendenzen eines restaurativen Kunstbegriffs zu lesen: als Gruß aus den Neunzigern an die Nuller-Jahre.